Klimawandel ?


“BUNT TRIEB'S DER WINTER”


Der Klimawandel stellt auch die Botaniker vor neue Herausforderungen - vor allem, was die Blütezeit diverser Arten betrifft. Michael Huhla (43) hat im Raum Obernberg zahlreiche Dauerblüher entdeckt, die der warme Winter nicht zur Ruhe kommen ließ.

Vieles ist nicht mehr so wie früher, hat der Berufsschullehrer und Pflanzenkundler herausgefunden. Schon im November sind ihm außergewöhnlich viele blühende Pflanzen aufgefallen. Beim Durchblättern der neuen Auflage der „Österreichischen Exkursionsflora" des Wiener Botanikers Manfred Fischer und seiner Kollegen fiel Hohla auf, „dass die angegebenen Blühzeiten bei etlichen Arten nicht mehr stimmen". Die dritte Auflage ist gerade in Arbeit, in ihr werden Hohlas Daten berücksichtigt.

Im klimatisch begünstigten Raum um Obernberg hat er „extreme Ausreißer" entdeckt.

Einige Beispiele:

*Der Echt-Erdrauch blüht normalerweise von April bis Oktober, heuer
  hingegen schon im Jänner
- wenngleich mit „verhutzelten, kleineren Blüten",
 denn er hat noch längst nicht das Blühoptimum erreicht.
*Ackerschmalwand, Blütezeit April bis Mai, hat heuer durchgeblüht.
*Kleintaubnessel, März bis Oktober, heuer ebenfalls ganzjährig.
*Rainfarn, Juli bis Oktober, blühte heuer in Ufernähe ganzjährig, Ursache vermutlich
  spätere Keimung bis in den Spätherbst hinein.
*Garten-Ringelblume, verwilderte Exemplare blühten im Dezember auf
  Erddeponien, Gleiches gilt für die Mutterkamille.
*Gartenbeikraut-Wolfsmilch, normalerweise Blüte von Juni bis November, heuer
  waren ihre grünfleischigen Blüten das ganze Jahr zu sehen.

Entscheidenden Einfluss auf die Blühwilligkeit hat der Frost:
Weil heuer die für unseren Winter typischen tiefen Temperaturen von unter minus 6 Grad weitgehend fehlten, blühten viele Pflanzen einfach weiter. „Ihnen zeigt erst starker Frost an: Jetzt ist es mit dem Blühen aus!", berichtet Hohla. Normalerweise genüge eine einzige extrem frostige Nacht, um dem Zauber ein Ende zu bereiten. Davon war heuer nichts zu spüren.

Zuwanderer vom Mittelmeer
„Wenn es ein paar Jahre mit den warmen Wintern weitergeht, ist eine Florenverschiebung unausweichlich!", sagt Hohla. Ständig kommen fremde Pflanzen zu uns, vor allem aus dem Mittelmeerraum. Unkräuter aus Italien sind schon da und dort bei uns zu finden - normalerweise macht ihnen der Winter den Garaus. Fallen aber die starken Fröste aus, können sie sich dauerhaft bei uns ansiedeln.

Der Andrang aus dem Süden ist groß: Aus der Po-Ebene hat sich die Aleppo-Hirse eingenistet, desgleichen die Samtpappel, ein Malvengewächs, das in den Rübenfeldern des Innviertels schon kräftig mitmischt. Ein gefürchtetes Ackerunkraut ist die aus Afrika stammende Erdmandel, die in Kärnten Fuß gefasst hat.

Auch die heimischen Arten reagieren auf den Klimawandel: Das Schneeglöckchen blühte heuer vier Wochen früher als sonst, die Schlüsselblumen zeigten sich schon im Februar, der Blaustern - das „Josefikraut" - blühte nicht erst zu Josefi (19. März), sondern schon vor Ende Februar, auch das Lungenkraut konnte es heuer kaum erwarten.

„Das alles sind Anzeichen dafür, dass unser Klima unnatürlich wärmer wird", sagt Hohla. Denn der langfristige Klimazyklus gehe in Richtung neue Eiszeit. Doch davon ist weit und breit nichts zu merken.



Quelle: OÖ Nachrichten Samstag 31. März 2007